sammlung

REM-Pha­sen­tex­te, wie Nüs­se, die

ich notie­re noch in der Nacht oder

mor­gens oder in einem Zug sit­zend

wo sie sich ver­än­dern oder den Tag-

Nachträu­me nah blei­ben.

neisseria megandis

Wie wun­der­bar das Meer duf­te­te irgend­wo im Süden weit ab jeden Lan­des. Ich streck­te mei­ne Hand nach leuch­ten­den Sub­stan­zen aus, und ich dach­te, wie gut wäre es doch gewe­sen, wenn ich foto­gra­fiert haben wür­de, was ich ent­deck­te. Ich war in einem Schlauch­boot unter­wegs gewe­sen, fuhr lang­sam in einem Bild her­um, das ich mir selbst wie einen Alp­traum aus­ge­dacht hat­te, einen Traum, in wel­chem ich die Erfin­dung grün leuch­ten­der Bak­te­ri­en erin­ner­te, Orga­nis­men, wel­che Kunst­stof­fe fra­ßen und Öle, auch mein Boot wie zur Stra­fe. Als ich lang­sam unter­ging, in dem Moment, da ich mit dem Kopf unter die Mee­res­ober­flä­che tauch­te, wach­te ich auf. Es war weit nach Mit­ter­nacht und ich hock­te in der Küche und über­leg­te, ob ich in mei­nen Traum zurück­keh­ren oder doch eher wach blei­ben soll­te.

 

/ Von wun­der­vol­len
Pro­pel­ler­vö­geln
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von vögeln

Pro­pel­ler­vö­gel. Das sind Lebe­we­sen, die vor­nehm­lich in der Sphä­re der Fische, näm­lich unter der Was­ser­ober­flä­che exis­tie­ren. Sie ver­fü­gen über Flü­gel, die sie in einer Art und Wei­se bewe­gen, als wür­den sie flie­gen. Auch haben sie Schnä­bel und legen Eier. An ihrem Ende, dort wo sich Feder­schwän­ze tat­säch­li­cher Luft­vö­gel befin­den, sitzt eine knö­cher­ne Struk­tur fest, die sich wie ein Pro­pel­ler sehr schnell zu dre­hen ( rotie­ren ) ver­mag. Des­halb sau­sen sie wie ver­rückt durchs Was­ser, wenn sie sich freu­en oder fürch­ten. Man kann sie nicht fan­gen, als ver­füg­ten sie über das Wis­sen der Men­schen, ihre Tricks und Werk­zeu­ge. Es ist wie mit den Flie­gen, die man mit der fla­chen Hand in der Luft nie­mals errei­chen kann.

 

/ Ich bin noch
nie in Stral­sund
gewe­sen
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stralsund z‑07

Das Unsicht­ba­re, das sicht­bar und spür­bar wird, sobald es sich nähert, dann Platz nimmt in Lun­ge, Gehirn und Bauch, um sich zu ver­meh­ren. Und die­se selt­sa­men Namen: Sars und Coro­na und Lha­sa. Ob es mög­lich ist, Mole­kü­le so zu kon­stru­ie­ren, dass man sie mit­ein­an­der ver­bin­den könn­te, wie man will? Arbei­ten in der Art und Wei­se wie Kin­der mit Lego­stei­nen spie­len. Die­ses Modul öff­net die Haut. Und die­ses Modul hier här­tet mensch­li­che Zel­len aus, Kno­chen, wohl­ge­formt, und mit die­sem Modul hier könn­ten zusätz­li­che Ohren zu erzeu­gen sein, oder Nie­ren, oder Abwehr­schir­me, die gefähr­li­che Lebe­we­sen von mir wei­sen. Aus­den­ken kann ich mir fast alles, ich muss nur irgend­wo einen ers­ten Stein erfin­den, und dann geht es los. Auch das Glück und die Illu­si­on von Sicher­heit kann erfun­den sein. Ich habe also zunächst einen Namen: Stral­sund z‑07.

 

/ Geschich­te vom
ein­sa­men
Läu­fer
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1:24:57

Mocam­be war ein voll aus­ge­wach­se­ner Mann von 27 Jah­ren. Er wog nun 37 Kilo­gramm. Er war wegen sei­ner beson­de­ren Kno­chen so leicht gewor­den, dass er höchst effi­zi­ent zu lau­fen ver­moch­te, wes­we­gen er reich gewor­den war bereits in jun­gen Jah­ren, weil er jeder wei­te­ren Per­son auf und davon­lau­fen lau­fen konn­te. Auch ver­moch­ten sei­ne Mus­keln sehr aus­dau­ernd zu arbei­ten, sei­ne Lun­gen und sein Blut waren wie aus­ge­dacht. Er ist sehr ein­sam gestor­ben vor weni­gen Tagen als er sich dreh­te, weil er in der Fer­ne jeman­den lachen hör­te, da brach ihm sein Hals. Er hat­te kaum Freun­de, er war ein­sam, weil er immer­zu nur gelau­fen war bis zuletzt.

/  Ich wünsch mir
eine gepan­zer­te Pflan­ze in
mei­nem Zim­mer
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pinus pinea hz-27

Lil­li erzähl­te am Tele­fon von der Erfin­dung beson­de­rer Pini­en­bäu­me, die einer­seits wach­sen, ande­rer­seits nie­mals bren­nen sol­len. Das sei näm­lich so, erzähl­te Lil­li, bei die­sen Pini­en­bäu­men wür­de es sich um pflanz­li­che Lebe­we­sen han­deln, aber zugleich sei­en sie auch von Stein, weil eine feu­er­re­sis­ten­te Haut ihre Blät­ter umhül­le, die das ein­fal­len­de Licht zu Pflan­ze hin ver­stär­ke, eine Haut feins­ter Kris­tal­le, wes­we­gen die Blät­ter der Pflan­ze und ihr Stamm röt­lich schim­mer­ten, eine Haut, die wie ein Pan­zer wir­ke, ein Schutz. So etwas könn­ten wir gut gebrau­chen, sag­te Lil­li, mei­ne Mut­ter lei­det an Demenz und sie raucht und wir kön­nen nicht schla­fen, weil sie eigent­lich in einem Zim­mer von Asbest leben müss­te. Aber so ein Zim­mer sei gif­tig, das gehe also nicht und umzie­hen gehe zur­zeit auch nicht, da hel­fe nur zu beten oder eine Möbel­haut, wie die der Pini­en, von der sie hör­te, gleich­wohl am Tele­fon, ich wür­de ihr doch unlängst erst von Pini­en­bäu­men berich­tet haben. Erstaun­lich, sag­te Lil­li, dass Du Dich nicht erin­nern kannst. — stop

 

/ Wüs­ten­ge­schich­te oder eine
Geschich­te vom War­ten
in der Wüs­te
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nahe maradah

Irgend­wann ein­mal träum­te ich von sehr klei­nen Men­schen, das waren Bon­sai­men­schen gewe­sen, eine Hand­voll Per­so­nen jün­ge­ren Alters, sie waren nicht grö­ßer als 36 cm. Ich saß im Traum nahe einer klei­nen Stadt im Distrikt Al Wahat in der Regi­on Cyre­nai­ca im Nord­os­ten Liby­ens. Am Ran­de der Stadt war ein Zelt errich­tet, dort saß ich vor Wind und Son­ne geschützt und war­te­te. Immer wie­der der Blick in die Wüs­te. Plötz­lich waren sie da nach einer Wüs­ten­wan­de­rung von 125 Mei­len (ca. 201 km) Län­ge. Zwei der durs­ti­gen sehr klei­nen Per­so­nen klet­ter­ten an mir hoch und setz­ten sich auf mei­ne Schen­kel. Ich gab ihnen zu trin­ken aus Fla­schen, die ich hal­ten muss­te, weil sie zu schwer waren für ihre klei­nen Hän­de und Arme. Sie ver­füg­ten jedoch über sehr gro­ße Füße. Ich hör­te, sie sol­len mit die­sen selt­sa­men Füßen in der Lage sein, unbe­grenz­te Zeit bar­füs­sig auf Eis­flä­chen zu ste­hen, ohne zu frie­ren.

 

/ Bei Regen in Perugia
unter Fal­ter­tür­men
spa­zie­ren
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perugia

Selt­same Din­ge gesche­hen in den win­ter­li­chen Gär­ten zu Peru­gia. Segel­fal­ter der Gat­tung Iphi­cli­des poda­li­rius 5 haben sich zu Grup­pen ver­sam­melt, flie­gen For­ma­tio­nen, bil­den Kugeln, Qua­der und wei­tere geo­me­tri­sche Kör­per. Bei Regen, so heu­te Mor­gen gesche­hen, stellt man exakt gezir­kelte Tür­me in die Luft. Die Stadt wird unter Qua­ran­täne gestellt. stop. Ent­we­der hat sich die­se  Geschich­te bereits ereig­net, oder aber, das ist denk­bar, wur­de die­se Geschich­te von mir erfun­den, wes­halb nun die Gefahr besteht, sie könn­te sich ver­brei­ten und als bedroh­li­che oder inspi­rie­ren­de Wirk­lich­keit betrach­tet wer­den.

 

/ In Andhra Pra­desh
in Mee­res­nä­he
Augen
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ocat

Was ich Ihnen kurz erzäh­len möch­te, die­se eine Geschich­te, die von indi­schen Men­schen­au­gen erzählt, wird Sie sicher beun­ru­hi­gen. Ich erin­ne­re mich, einer Kol­le­gin von indi­schen Augen bereits erzählt zu haben. Sie ent­geg­ne­te sofort: Mein Freund, es exis­tie­ren kei­ne indi­schen Men­schen­au­gen, es exis­tie­ren nur mensch­li­che Augen, die Augen der Inder und der Inde­rin­nen sind von der­sel­ben Art, wie alle Augen, die welt­weit exis­tie­ren. Da muss­te ich Ihr doch wider­spre­chen, weil ich davon hör­te, dass in Indi­en eine Fabrik exis­tier­ten soll, in wel­cher indi­sche Augen erforscht und gleich­wohl fabri­ziert wer­den, künst­li­che Augen, die in der Lage sind, unse­re Welt abzu­bil­den und sie in elek­tri­sche Rei­ze zu über­set­zen. Nun ist das wohl so, dass ein armer Mensch sehr gut dar­an ver­die­nen kann, wenn er bereit sein soll­te, sei­ne natür­li­chen Augen gegen Implan­ta­te aus­zu­tau­schen. Über 5000 Augen­paa­re wür­de eine Fabrik namens OCAT Tag für Tag pro­du­zie­ren. Man wer­fe ent­nom­me­ne Augen natür­lich nicht in den Müll, son­dern ent­neh­me zum Bei­spiel Tei­le der Netz­haut, die­se wür­den dann sorg­fäl­tig kon­ser­viert und nach Ame­ri­ka oder nach Euro­pa oder nach Chi­na ver­schickt. Jene Fir­ma OCAT befin­de sich im Süden des Bun­des­staat Andhra Pra­desh an der Küs­te. Man habe da und dort an der Mee­res­küs­te Net­ze gespannt, um Men­schen, deren Implan­ta­te nicht län­ger funk­tio­nier­ten, davor zu bewah­ren, im Indi­schen Oze­an zu ver­schwin­den.

 

/ Das Leuch­ten
klei­nes­ter Tie­re
im Was­ser
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