animals

° januar / februar 2020

Zu einer Zeit da ich in mei­ner Vor­stel­lung noch mit leben­den Papier­tier­chen nach New York reis­te, waren jene Text­bö­gen, die sie for­mier­ten, schwarz und weiß gewe­sen. Eine fas­zi­nie­ren­de Über­le­gung, ein Clus­ter mög­li­cher Gedan­ken, Papier­tier­chen, nicht etwa Tier­chen, die aus Papier gemacht sind oder ver­gleich­ba­re Ware, son­dern tat­säch­li­che Lebe­we­sen, die so aus­ge­dacht sind, dass sie sich zu For­men ver­sam­meln, die einer Papier­sei­te ähn­lich sind. Weil jene Lebe­we­sen, wie ich sie mir bei die­ser Gele­gen­heit wie­der ein­mal vor­stel­le, sehr klein sein soll­ten, sagen wir in der Flä­che so groß wie die Spit­ze einer Nadel, wür­de ein Maschi­nen­papierbo­gen von nicht weni­ger als zwei Mil­lio­nen Indi­vi­du­en nach­zu­bil­den sein. Man stel­le sich das fol­gen­der­ma­ßen vor: Jedes Papier­tier­chen, sicht­bar im Licht eines sehr guten Mikro­skops, wird von dem Wunsch beseelt, sich mit jeweils vier wei­te­ren Tier­chen, die es schon immer kennt, zu ver­bin­den, und zwar nur mit die­sen, sodass man von einer ein­deu­ti­gen Ord­nung spre­chen könn­te, nicht von einer belie­bi­gen Anord­nung. Ja, jedes der klei­nen Wesen für sich ist einem urei­ge­nen Ort ver­bun­den, den es nie­mals ver­gessen wird. Sobald alle Tie­re einer Papier­ge­mein­schaft schön zu einer Sei­te ver­sam­melt sind, wer­den mit Licht, mit einem Licht­stift genau­er, Zei­chen gesetzt auf das leben­de Papier, indem man leich­ter Hand wie mit einem Fül­ler schrei­bend Wör­ter oder Sät­ze notiert. Wird ein schnee­wei­ßes Tier­chen vom schrei­ben­den Licht eines Stif­tes berührt, nimmt es sogleich und solan­ge Zeit die schwar­ze Far­be an, bis es von wei­te­ren Licht­im­pul­sen berührt wer­den wird. Das Licht natür­lich muss sehr stark sein, weil doch das Licht der Son­ne oder jeder Lam­pe sich sofort  in die Land­schaft der fili­gra­nen Kör­per einschrei­ben wür­de. Ich hat­te, wäh­rend ich die­sem Gedan­ken noch auf einer gewöhn­li­chen Com­pu­ter­schreib­ma­schi­ne schrei­bend folg­te, die Idee, dass sie viel­leicht alle­samt sehr schreck­haft sein könn­ten, also zunächst unvoll­kom­men oder wild, dass sie, zum Bei­spiel, wenn ein Feu­er­wehr­au­to in ihrer Nähe vor­über­ kom­men soll­te, sofort aus­ein­an­der flie­gen wür­den in Panik, sich ver­ste­cken, um bald jedes für sich oder in grö­ße­ren Grup­pen an den Wän­den mei­ner Zim­mer zu sit­zen. Viel­leicht lun­gern sie auch auf Kaf­fee­tas­sen her­um oder in den Haar­blät­tern eines Ele­fan­ten­fuß­bau­mes, ja, das ist sehr gut denk­bar. Ich wür­de dann war­ten, ruhig und gelas­sen war­ten, bis sie sich wie­der beru­higt haben wer­den und zurück­kom­men, sagen wir nach einer Stun­de oder zwei. Dann wei­ter schrei­ben oder lesen oder den­ken.

 

/ Ein­mal, es war ein Som­mer­tag
gewe­sen, dach­te ich über
Trom­pe­ten­kä­fer nach
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