atlantische depeschen / teil 1

° januar / februar 2020

Joe Ellis, Rei­se­schrift­stel­ler iri­scher Her­kunft
notiert auf einer Funk­schreib­ma­schi­ne,
wäh­rend er auf einer Ret­tungs­in­sel
sit­zend durch den nörd­li­chen Atlan­tik
treibt. Es ist Sep­tem­ber. Das Jahr
2018. Joe Ellis ist nicht allein.

 

ATLANTIK 8.05 a.m. Seit es hell gewor­den ist, hal­te ich Aus­schau nach Über­le­ben­den. Leich­ter Wind von Nord­west. Kein Kopf. Kei­ne Bewe­gung. Kein Schiff. Kein Flug­zeug. Nachts geschla­fen. Kurz, wie aus­ge­schal­tet. Dann geru­fen eine Stun­de oder zwei. Kei­ne Ant­wort. Habe eine Signal­fa­ckel gezün­det. Kein Ton. Kein Zei­chen. Kein Gegen­feu­er. Aber die Wale sind zurück­ge­kehrt. Da waren noch Trüm­mer auf dem dunk­len Was­ser, lee­re Wes­ten, etwas Holz, Matrat­zen, Kis­sen, Öl. Dann Ander­son, June, 32, Mrs. Cal­las rech­te Hand, Kopf unter. Zwei Matro­sen, glei­che Hal­tung. Von Zeit zu Zeit Fla­schen wie Tor­pe­dos: Bour­bon, Absinth, Man­del­bar­be­ros, Vögel aus der Tie­fe. Habe Ander­son, June, hin­ter Ein­stiegs­lu­ke 2 fest­ge­macht, habe vor Ein­stiegs­lu­ke 1 Posi­ti­on bezo­gen. Ich beob­ach­te den Hori­zont, den Him­mel, das Was­ser. 13 Stun­den seit Unter­gang der MS Seatown. ~

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8.28 a.m. Habe mei­nen Kör­per unter­sucht. Leich­te Unter­küh­lung. Kei­ne wei­te­ren Beschä­di­gun­gen. Ret­tungs­in­sel intakt. Luft­kam­mern ohne Ver­lust. Ich ver­fü­ge über 28 Beu­tel Trink­was­ser des Jah­res 1988, 16 Por­tio­nen Fer­tig­nah­rung, 3 Kilo­gramm Tro­cken­brot, 36 Tablet­ten gegen See­krank­heit, 1 schwimm­fä­hi­ges Mes­ser, 5 Signal­fa­ckeln in Rot, 2 Signal­fa­ckeln in Gelb, 1 Signal­flö­te, 1 Schöpf­ge­fäß, 17 Ret­tungs­wes­ten, 1 Wurf­ring mit Lei­ne, 1 was­ser­dich­te Taschen­lam­pe, 14 Bat­te­rien, 1 Feu­er­zeug, 5 Fett­stif­te, 1 Über­le­bens­hand­buch in fin­ni­scher Spra­che, 1 Funk­schreib­ma­schi­ne mit Hand­kur­bel. Ver­damm­te Geschich­te. Ver­damm­te Geschich­te, wie ich hier sit­ze und notie­re. ~

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8.58 a.m. Ich schrei­be 10 Sät­ze, dann spre­che ich jene 10 Sät­ze, die ich notiert habe, und schon ist der Strom mei­ner Schreib­ma­schi­ne zu schwach gewor­den, um wei­ter spre­chen oder schrei­ben zu kön­nen. Und wie­der kur­be­le ich. Ich kur­be­le so lan­ge, bis ich erneut aus­rei­chend Strom erzeugt habe, um mei­ne Nach­richt sen­den zu kön­nen. Ich kur­be­le 5 Minu­ten für 10 kur­ze Sät­ze in Zei­chen und Wor­ten. Ich kur­be­le 3 Minu­ten für das Sen­den der Nach­richt. ~

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9.15 a.m. Das Meer unbe­wegt. Wind­stil­le herrscht. Nichts zu hören, nur das Bla­sen der Wale. Ein küh­les Geräusch von Was­ser, von Luft. Sie lie­gen um die Ret­tungs­in­sel her­um. Ich habe den Ein­druck, sie war­ten. 12 Tie­re. Gewal­ti­ge Kör­per. Weiß, sobald sie erregt sind. Schwarz, sobald sie ruhen. Hel­le Augen, hel­le, graue Augen. Längs, über den Bauch hin, eine hand­brei­te Zeich­nung. Oran­ge­far­ben. Exak­te Linie, als sei sie von einer Maschi­ne auf­ge­tra­gen. Sie wer­den 1 oder 2 Stun­den unter Was­ser gewe­sen sein, viel­leicht waren es 5, viel­leicht 6, viel­leicht 7 Stun­den. Die Luft riecht nach Metall, nach Salz, nach Tang. Von Zeit zu Zeit tau­chen sie ab, kreu­zen unter der Insel, ohne uns zu berüh­ren, und ohne das Was­ser zu bewe­gen, als woll­ten sie uns scho­nen. Auch Mrs. Ander­son, unbe­wegt. Kei­ne Raub­fi­sche. Ich war­te auf Ret­tung.  ~

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9.25 a.m. joe ellis hier — rufe lon­don — das ist ein not­ruf — may — day — may — day — das ist ein not­ruf — lon­don bit­te kom­men — rufe lon­don — rufe inter­na­tio­nal meta­mor­pho­sis obser­ver — may — day — may — day — seatown um 8.07 pm gesun­ken — befin­de mich auf ret­tungs­in­sel h/768 — auf­trag aus­ge­führt — habe mit mrs. gin­ger cal­las gespro­chen.  ~

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11.30 a.m. Seit 2 Stun­den jetzt fah­ren wir gegen Strö­mung und Wind. Exak­te Bewe­gung nord­wärts. Wir fah­ren so schnell, dass wir Wel­len erzeu­gen. Die Wale  spie­len mit uns, sie wech­seln sich ab, schwim­men Sta­fet­te. Manch­mal dre­hen wir uns lang­sam um die eige­ne Ach­se. Schwü­le, nas­se Luft. Bin see­krank seit 1 Stun­de. Habe Tablet­ten ein­ge­nom­men. Kei­ne Wir­kung. Vor 1 hal­ben Stun­de noch ein Schiff am Hori­zont. Habe unver­züg­lich Fackel ent­zün­det, habe etwas Feu­er gegen den Him­mel geschos­sen, seit­her schöp­fe ich Was­ser. Der Ver­dacht, das ist denk­bar, dass die Wale nicht wün­schen, dass  wir Feu­er in ihrer Nähe ent­fa­chen. ~

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2.00 p.m. Trotz leich­ten Fahrt­win­des, brü­ten­de Hit­ze. Habe 1 Beu­tel Was­ser geöff­net. Uraltes Was­ser. Was­ser ohne Geschmack. Habe stren­ge Ratio­nie­rung ein­ge­führt. Immer wie­der spre­che ich zu mir selbst, sage, dass ich sinn­voll han­de­le. Und doch sehen wir jäm­mer­lich aus. Mr. Ellis sitzt ohne Hose und ohne Strümp­fe 400 See­mei­len vor der bri­ti­schen Küs­te auf umman­tel­ter Luft. Ich habe ein Dach über dem Kopf, das Dach ist beschä­digt. Ander­son, June, intakt. Kei­ne Raub­fi­sche. Ich wer­de mich unver­züg­lich von ihrem Kör­per tren­nen, sobald sie von Raub­tie­ren ange­fal­len wür­de. Ja, das wer­de ich. Ich wer­de ihren Kör­per von der Insel lösen. Habe ange­ord­net, Ruhe zu bewah­ren. ~

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8.30 p.m. Zwie­licht. Wir haben ange­hal­ten. Kein Wind, nicht der gerings­te Wind. Stil­le. Voll­kom­me­ne Stil­le. Die Wale schla­fen. Sie hän­gen mit dem Kopf nach unten direkt unter der Was­ser­ober­flä­che. Erst­mals hör­te ich Wale sin­gen. Es ist mög­lich, dass sie nicht schla­fen, son­dern trau­ern. Ja, das ist mög­lich. Die Insel hat etwas Schlag­sei­te genom­men. Ich glau­be nicht, dass wir Luft ver­lie­ren. Leich­te Übel­keit. 24 Stun­den seit Hava­rie der Seatown. Nach und nach kom­me ich zu der Ein­sicht, das Schiff könn­te gesun­ken sein, ohne zuvor einen Not­ruf abge­setzt zu haben. Es ist denk­bar, dass die Wale uns bereits aus einer Zone mög­li­cher Suche her­aus­ge­zo­gen haben. Wir rei­sen nach Nor­den, Mrs. Ander­son und ich. Man wird uns im Süden suchen. Das ist denk­bar. Ja, das ist sehr gut denk­bar. Mrs. Ander­son wird nie wie­der träu­men. ~

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0.35 a.m. Habe den Abend im Halb­schlaf zuge­bracht, Kinn auf den Luf­t­ring gestützt, ohne den Hori­zont aus den Augen zu ver­lie­ren. Dann wach. Ich füh­le mich etwas leich­ter. Kein Schiff. Kein Flug­zeug. Mrs. Ander­son wei­ter­hin intakt. Wir trei­ben lang­sam, sehr lang­sam wie­der nach Süden. Groß­ar­ti­ger Him­mel. Beob­ach­te das Meer. Luft­tem­pe­ra­tur gesun­ken. Erträg­lich jetzt, aber nach wie vor eine der­art feuch­te und schwe­re Atmo­sphä­re über dem Was­ser, als käme uns das Meer nach und nach ent­ge­gen. Ent­fernt, am Hori­zont, ein Wal. Er scheint uns zu umkrei­sen, eine Patrouil­le viel­leicht. ~

 

Zeich­nung einer See­not­ret­tungs­in­sel ohne
Tie­fen­ru­der in idea­lem Zustand. Joe Ellis
Habi­tat war ver­mut­lich beschä­digt.

 

1.05 a.m. Ich habe etwas Beu­tel­nah­rung zu mir genom­men, Erb­sen und kal­ten Fisch. Kein Ein­druck auf der Zun­ge. Habe mich an der Insel fest­ge­zurrt, habe die Bei­ne ins Was­ser gestreckt. Das Was­ser ist kühl. Die Wale unter mir schla­fen. Schwe­ben­de Tür­me. Von Zeit zu Zeit glei­tet unse­re Wache vor­über, ein plötz­li­cher Schat­ten, als kom­me Land ange­flo­gen, und ich den­ke, dass das so unheim­lich ist, weil das Land unter mir, das hel­le, rasen­de Land, so rie­sig und weil es so laut­los ist und weil ich nicht weiß, wohin wir rei­sen. ~

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2.00 a.m. Bald 29 Stun­den seit des Unter­gangs der Seatown. Ein­mal sehe ich gegen den Him­mel, dann in die Tie­fe, die ich nicht wahr­neh­men, die ich mir nur vor­stel­len kann in hori­zon­ta­len Stre­cken. Blau leuch­ten­de Fische jagen zwi­schen den schla­fen­den Kolos­sen nach Beu­te. Schnel­les, scheu­es Licht. Von Zeit zu Zeit spre­che ich in mein Funk­te­le­fon, spre­che, nein, flüs­te­re, anstatt zu spre­chen, um die Wale nicht zu stö­ren. Ich bezweif­le, ob ich in die­ser Wei­se spre­chend je gehört wer­den könn­te, so geräusch­los, wie ich mich ver­hal­te. Also notie­re ich, was ich zu sagen wün­sche: > joe ellis hier — joe ellis — rufe lon­don — rufe lon­don — das ist ein not­ruf — may — day — may — day — das ist ein not­ruf — lon­don — bit­te kom­men — rufe lon­don — rufe inter­na­tio­nal meta­mor­pho­sis obser­ver — may — day — may — day — seatown gesun­ken — befin­de mich auf ret­tungs­in­sel  h/768 — auf­trag aus­ge­führt.  ~

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2.35 a.m. Zeit, die Arbeit auf­zu­neh­men. Zeit, eine Spur zu schrei­ben, die ich hin­ter­las­sen könn­te, soll­te ich ver­schwin­den, auf­hö­ren für alle Zeit, wie Ander­son, June, die nie wie­der träu­men wird. Schritt für Schritt erzäh­len von mei­nem Besuch der Seatown, kur­beln und kur­beln und wei­ter erzäh­len, solan­ge ich noch erzäh­len kann. Da war ein däni­sches Fischer­boot, ich erin­ne­re mich, ein klei­nes däni­sches Fischer­boot. Und da waren kräf­ti­ge Män­ner, und wir fuh­ren vor­sich­tig vor­an. Noch ehe wir die Schat­ten der Seatown in der Däm­me­rung zu erken­nen ver­moch­ten, erreich­te uns ein Funk­spruch. Esta, Esta, hier spricht die Seatown, hier spricht die Seatown. Löschen Sie ihre Lich­ter. Kom­men Sie lang­sam näher. Wir wie­der­ho­len. Ach­tung, Ach­tung, hier spricht die Seatown, hier spricht die Seatown, löschen Sie ihre Beleuch­tung. Kom­men Sie lang­sam näher! —  Also lösch­ten wir unse­re Lich­ter und näher­ten uns. So hat das ange­fan­gen. Wir näher­ten uns lang­sam, fast geräusch­los. Ein kaum hör­ba­res Pum­pen vom Was­ser her, nichts sonst. Dann lag die Seatown plötz­lich direkt vor uns. Haus­hoch rag­te sie aus dem Was­ser, ein gewal­ti­ges Schiff. Kei­ne ihrer Posi­ti­ons­lam­pen leuch­te­te, kein Kabi­nen­licht, auch die Brü­cke ruh­te im Dun­keln. Über dem Vor­deck des Schif­fes war eine Qua­ran­tä­ne­flag­ge auf­ge­zo­gen. Sie wur­de, als ich sie ent­deck­te, gera­de von einem Matro­sen ein­ge­holt. Ich hat­te den Ein­druck als wir längs­seits gin­gen, dass die Seatown sich lang­sam um ihre eige­ne Ach­se dreh­te. ~

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3.30 a.m. Kei­ne Zei­chen von Bewe­gung auf dem Was­ser, aber der Him­mel kreis­te lang­sam über uns, die Ster­ne, ich erin­ne­re mich, sie tauch­ten jen­seits der Bord­wand unter, als wür­den sie in das Schiff gela­den. Indes­sen war unter den Fischern Erre­gung auf­ge­kom­men. Sie eil­ten von der einen Sei­te des Schif­fes zu ande­ren Sei­te, deu­te­ten zum Was­ser hin, und rie­fen immer wie­der: Mr. Ellis, look! Mr. Ellis, look! — Zunächst, ich hat­te mich weit über die Bord­wand hin­aus gebeugt, war nichts zu sehen. Dann aber konn­te ich hel­le Sche­men erken­nen, Kör­per, die unter uns auf und ab schweb­ten, gewal­ti­ge Kör­per, als wür­den Zep­pe­li­ne unter uns durchs Was­ser fah­ren. Ohne ein Geräusch zu hin­ter­las­sen, schweb­ten sie vor­über, als sei­en sie mit uns nicht ver­bun­den, als sei­en sie nur ein beweg­tes Bild ohne Ton. ~

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4.15 a.m. Einer der Matro­sen hielt eine Kame­ra in Hän­den. Er beug­te sich über die Reling, wäh­rend er von sei­nen Kame­ra­den an den Bei­nen fest­ge­hal­ten wur­de. Als er den Schein­wer­fer der Kame­ra ein­schal­te­te, war sofort ein gel­len­der Ruf vom Deck der Seatown her zu hören, eine schril­le Stim­me, die Stim­me eines Matro­sen, der uns befahl, das Licht unver­züg­lich zu löschen. Vor­sicht, schrie er, Vor­sicht! Ja, sind Sie noch bei Ver­stand! Dann trat er einen Schritt zurück und hielt sich den Kopf mit bei­den Hän­den, viel­leicht, weil er nicht mit anse­hen oder hören woll­te, was ohne jede Vor­war­nung sofort mit uns gesche­hen wür­de. Unser Boot wur­de von einem hef­ti­gen Schlag erschüt­tert, der uns um eini­ge Meter auf dem Was­ser zur Sei­te setz­te, das gan­ze Schiff mit Mann und Maus. Zwei Matro­sen waren über Bord gegan­gen. Wir beob­ach­te­ten, wie sie über wei­ßes Land roll­ten, glän­zen­des, nas­ses Land, das jen­seits unse­res Boo­tes aus dem Meer auf­ge­stie­gen war. ~

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5.15 a.m. Die Luft, ich erin­ne­re mich, roch nach Metall und nach Salz, und es war kühl, für einen Moment war es kühl gewor­den. Dann ver­schwand das wei­ße, glän­zen­de Land, und das Meer beru­hig­te sich. Wir zogen die Matro­sen aus dem Was­ser und ich bald zur Seatown über. Kaum hat­te ich das Deck des rie­si­gen Schif­fes betre­ten, wur­de die Flag­ge der Qua­ran­tä­ne wie­der hoch­ge­zo­gen. Ein selt­sa­mer Anblick, wie Zei­chen der Gefahr nach Belie­ben gelöscht und kurz dar­auf wie­der akti­viert wer­den konn­ten von der Hand eines Matro­sen, der mich mit einer läs­si­gen Hand­be­we­gung begrüß­te und nicht sehr glück­lich zu sein schien über mei­ne Ankunft, viel­leicht über mei­ne gan­ze Erschei­nung. ~

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5.40 a.m. Der klei­ne, schmäch­ti­ge Mann führ­te mich mittschiffs. Natür­lich woll­te ich wis­sen, wer oder was uns vor weni­gen Minu­ten noch atta­ckiert hat­te, auch wes­halb die Flag­ge wie­der gesetzt wor­den sei. Doch der Matro­se woll­te nicht spre­chen, nicht einen Satz. Er sah mich nur an und mach­te ein Zei­chen. Ich soll­te ihm schwei­gend fol­gen. Es war toten­still auf dem Schiff. Ich erin­ne­re mich, nicht das gerings­te Geräusch, kein Motor, kei­ne Stim­men, aber unser Atem, das Geräusch unse­rer Schrit­te. Ich bemerk­te, wie sich das däni­sche Schiff, das mich zu Seatown gebracht hat­te, lang­sam rück­wärts fah­rend ent­fern­te. Dann eine Trep­pe und noch eine Trep­pe, eine sehr stei­le Trep­pe, fast senk­recht führ­te sie in den Bauch des Schif­fes. ~

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5.55 a.m. Düs­te­res Not­licht. Da war Licht in Blau und in Rot. Da waren Wän­de von dunk­lem Holz, einem Holz, das Tie­fe zeig­te, das aus sei­nem Inne­ren zu leuch­ten schien wie das Holz der Pfei­fen­köp­fe. Und da war glän­zen­des Mes­sing und auf dem Boden zu Stein gelau­fe­ne Plan­ken. Die Luft im Bauch des Schif­fes duf­te­te nach Kaf­fee und bit­ter nach Öl und her­bem Wachs. Und da war eine Kabi­ne, eine geräu­mi­ge Kabi­ne auf Höhe der Was­ser­ober­flä­che. War­ten Sie hier, Mr. Ellis, sag­te der Matro­se lei­se. Er sag­te noch, ich soll­te jedes Licht ver­mei­den, das vom Meer her ein­zu­se­hen sei. Er sah mich indes­sen an, als sei ich bereits ver­lo­ren. Und er sag­te noch: Rau­chen Sie nicht, ver­dammt, rau­chen Sie nicht! Sei­ne Stim­me war rau gewor­den, eine Stim­me wie von Sand. ~

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6.35 a.m. Ich war­te­te, ich war­te lan­ge. Dann lösch­te ich das Licht wie befoh­len, öff­ne­te die Luke und sah auf das Meer hin­aus. Das Meer war wei­ter­hin ohne Bewe­gung. Glim­men­de Mol­lus­ken düm­pel­ten um das Schiff. Sie leuch­te­ten in Grün, aber ihre Augen, die sie aus dem Was­ser streck­ten, waren von einem kräf­ti­gen Zitro­nen­gelb. Unter die­ser Beob­ach­tung wur­de ich schwer und müde. ~

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ATLANTIK 6.55 a.m. Nach sechs Uhr. Ich bin zufrie­den. Ich habe gekur­belt, ich habe Strom erzeugt, habe vor­ge­le­sen, was ich geschrie­ben habe, habe mei­ne Stim­me auf­ge­zeich­net und gesen­det, was ich notier­te und vor­ge­tra­gen habe. Ich bin froh, obwohl ich nicht weiß, ob je ein Mensch lesen und hören wird, was ich erzäh­le. Ein groß­ar­ti­ger Him­mel schwebt über mir, wun­der­vol­le Stim­mung. Habe wie­der lei­se Hoff­nung. Ich den­ke, dass mei­ne Wor­te viel­leicht doch nicht ver­lo­ren gehen wer­den. Ich den­ke, dass ich gehört, dass ich doch viel­leicht gehört oder gele­sen wer­de. Wenn nicht in Lon­don, dann auf Island, das ist denk­bar, oder auf Neu­fund­land. Also wer­den wir wei­ter schrei­ben und wei­ter spre­chen. Wir wer­den Ruhe bewah­ren. Ruhe! ~

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7.20 am. — joe ellis hier — joe ellis — rufe lon­don — rufe lon­don — das ist ein not­ruf — may — day — may — day — rufe inter­na­tio­nal meta­mor­pho­sis obser­ver — may ‑day — may — day — seatown gesun­ken — befin­de mich auf ret­tungs­in­sel h/768 — posi­ti­on unbe­kannt — habe mit mrs. gin­ger cal­las gespro­chen. — notie­re bericht vom besuch im bauch der seatown. — set­ze nun fort. — bit­te mel­den. ~

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7.55 a.m. Ich habe mich beru­higt und auch die Wale haben sich beru­higt, wir glei­ten fast geräusch­los durchs Was­ser. Ob sie wohl bemer­ken, dass ich wie­der in voll­stän­di­gen Sät­zen zu den­ken ver­mag? Erneut hat­te ich mit dem Feu­er gespielt. Ich hat­te mit einer Lam­pe Zei­chen gegen den Hori­zont geschickt. Jetzt ist es wie­der still, auch der Him­mel über mir ist still. Der Wal, der gera­de eben noch tob­te, der das Was­ser teil­te, der in die Luft sprang, der das Licht der Lam­pe mit Tang und Salz und Was­ser zu löschen ver­such­te, schwebt seit­lich der Insel und beob­ach­tet mich. Sei­ne Her­de ist wie­der senk­recht zurück in den Schlaf gefal­len. Ich ver­mu­te, ich habe es mit einem Leit­tier zu tun. Ich spü­re, das Leit­tier ist ein weib­li­ches Tier. Habe ihr den Namen Jen­ni­fer Five gege­ben. ~

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8.15 a.m. Das Auge, das mich noch immer beob­ach­tet, erscheint groß wie ein Kuchen­tel­ler. Ich berüh­re die­ses hel­le, blaue Auge, das mich betrach­tet, mit mei­nem Blick, und ich den­ke, da ist nichts, was ich fürch­ten müss­te, da ist ein war­mer Aus­druck in die­sem Auge, ein herz­li­cher Aus­druck, sehr auf­merk­sam. Es kommt mir so vor, als wür­de mich die­ses Auge mit Sor­ge betrach­ten, wie ich hier sit­ze und mit mir selbst spre­che, auch mit Mrs. Ander­son spre­che, mit June, die etwas pfeift in der feucht­war­men Luft. Ent­fernt noch selt­sa­mes Licht, das aus dem Was­ser zu kom­men scheint, ein grü­nes Leuch­ten, Lumi­nes­zenz viel­leicht, Mol­lus­ken, kein Licht, das gelöscht wer­den muss­te. ~

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8.38 a.m. Wie ein Traum, dann wie­der kein Traum. Der Ein­druck, als wären Jah­re, nicht Stun­den ver­gan­gen seit dem Unter­gang der Seatown. Ich weiß nicht wie, ich weiß nicht wel­chen Weg ich durch das Schiff genom­men hat­te, ob ich auf eige­nen Bei­nen ging oder getra­gen wur­de. Ich erin­ne­re mich, erwacht zu sein, als das Schiff noch ohne Beschä­di­gung auf dem Atlan­tik kreis­te. Ich hat­te geschla­fen, ich weiß nicht, wie lan­ge Zeit ich geschla­fen hat­te. Ich erin­ne­re einen Raum, der hell erleuch­tet gewe­sen war. Mein Kopf wog schwer und die Bei­ne waren von Blei und schmerz­ten und waren kraft­los und nicht wil­lens, mei­nen Anord­nun­gen zu fol­gen. ~

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8.52 a.m. Da waren medi­zi­ni­sche Gerä­te auf einem Tisch, ein wei­ßes Hemd und eine hel­le Hose über einen Stuhl gewor­fen, ein paar leich­te, gleich­falls hel­le Schu­he, eine Bah­re, zwei sich gegen­über­lie­gen­de, mas­si­ve Türen, nicht höl­zern, son­dern von Stahl, ein klei­nes, run­des Fens­ter, ver­nie­tet. Und da waren ein Moni­tor und da war ein Flüs­tern in mei­nem Kopf, ein flüs­tern­des Knis­tern, als wür­de ein Insekt sei­ne Flü­gel ent­fal­ten. Und da waren noch Schlä­ge gegen den Boden des Schif­fes, dumpf und rhyth­misch, schein­bar ohne Pau­se. Ich war nackt und von hel­lem Sand bedeckt, der bit­ter schmeck­te, der mir in Nase und Ohren gedrun­gen war, der sich beweg­te, der über mei­nen Kör­per zu has­ten schien. ~

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9.15 a.m. Vor­sich­tig setz­te ich mich auf. Ich beweg­te Arme und Bei­ne so lan­ge Zeit, bis ich wie­der über sie ver­fü­gen konn­te. Dann klei­de­te ich mich an, ging auf und ab noch auf unsi­che­ren Füßen. Ich spür­te, wie der Boden des Rau­mes zit­ter­te unter Schlä­gen, die das Schiff vom Meer her tra­fen. Auf dem Tisch klirr­te ein Glas. Jen­seits der klei­nen, kreis­för­mi­gen Fens­ter, die in Kopf­hö­he in die mas­si­ven Türen ein­ge­las­sen waren, war kein Mensch zu sehen. Dun­kel­heit hin­ter der einen, hin­ter der ande­ren Tür ein Raum von war­mem Licht. Ich konn­te durch das Glas hin­durch, das mas­siv zu sein schien wie die Tür selbst, einen blau leuch­ten­den Boden erken­nen. ~

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9.28 a.m. Da war noch etwas Tee auf dem Tisch. Da war eine Uhr, die Nacht längst vor­über. Und da war Ander­son, June, 32. Plötz­lich, wie aus dem Nichts gekom­men, war sie auf dem Moni­tor erschie­nen und lächel­te und war noch am Leben und sag­te mit ange­neh­mer Stim­me: Guten Tag, Mr. Ellis. Herz­lich will­kom­men an Bord der Seatown! Wie geht es Ihnen? Haben Sie gut geschla­fen? ~ 

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9.42 a.m. Dann kam Mr. Ful­ler ins Bild, ein Medi­zin­mann, des­sen Erschei­nung mich beun­ru­hig­te. Ich mein­te, erken­nen zu kön­nen, dass er sich fürch­te­te. Bei jedem der Hie­be gegen den Boden des Schif­fes, schloss er die Augen, als wür­de er per­sön­lich geschla­gen. Wäh­rend Ander­son, June, auf fes­ten Bei­nen stand, sie war tadel­los in ihrer gan­zen Erschei­nung, schien Mr. Ful­ler ohne jeden Halt zu sein. Er schwank­te und hat­te sich die Haa­re von hin­ten nach vor­ne über den Kopf gezo­gen und war betrun­ken in einer Wei­se, die nach Fort­set­zung ver­lang­te. Deut­lich, sehr deut­lich noch höre ich sei­ne Stim­me und ein feuch­tes Geräusch dazu, das Geräusch ent­wei­chen­der Luft, ein Flat­tern von Fleisch, das jeden sei­ner Sät­ze beglei­te­te. Ich erin­ne­re mich, gefragt zu haben, wo ich mich befin­den wür­de, und ich höre in die­sem Augen­blick Mr. Ful­lers unru­hi­ge Stim­me sagen: In der Druck­kam­mer eines Schif­fes, der Seatown!  Er setz­te hin­zu, dass er sich bei allem, was ihm hei­lig sei, von die­sen Walen da drau­ßen nie­mals fer­tig machen las­sen wür­de. Er sag­te: Sei­en Sie ein Mann, Ellis! Das war sein Schluss­wort. Das war das Letz­te, was ich von Mr. Ful­ler per­sön­lich hör­te. ~

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10.42 a.m. Mrs. Ander­son kam sofort zur Sache. Kei­ne Ton­auf­nah­men, sag­te sie, kei­ne Bild­auf­nah­men, wir haben ihr Dik­tier­ge­rät ein­ge­zo­gen. Para­si­ten, Mr. Ellis? Haben Sie Grip­pe? Ange­wohn­hei­ten, die Sie nicht kon­trol­lie­ren kön­nen? Rau­chen Sie? Trin­ken Sie? — Ich höre ihre hel­le, schö­ne Stim­me, nah, so nah, als wur­de sie gera­de in die­sem Augen­blick zu mir spre­chen, nüch­tern, sach­lich, die Ver­le­sung einer Check­lis­te, eines Pro­to­kolls, das sie nicht wirk­lich zu inter­es­sie­ren schien. Ich kann Ihnen nicht fol­gen!, sag­te ich, ich kann mich nicht erin­nern, wie ich hier her gekom­men sein könn­te. Mrs. Ander­son nick­te ver­ständ­nis­voll, flüs­ter­te, dass man mich getra­gen habe. Ich sei, fuhr sie vor fort, noch nie zuvor der­art gründ­lich von innen und außen gerei­nigt wor­den, wäh­rend ich schlief. ~

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10.58 a.m. Immer wie­der Ihre küh­le Stim­me in mei­nem Kopf. Ver­ste­hen Sie, Mr. Ellis! Wir haben Sie aus­ge­schal­tet, haben Ihr Bewusst­sein gelöscht. Wir muss­ten sehr tief gehen, ver­ste­hen Sie, Magen, Lun­ge, Mr. Ellis! Wes­we­gen, frag­te ich, wes­we­gen die­se Sorg­falt im Umgang mit Gäs­ten? Mrs. Ander­son erläu­ter­te, alle Mit­glie­der der Fami­lie Cal­las sei­en außer­or­dent­lich sen­si­bel. Hören Sie zu, Mr. Ellis. Sie sind gesund! Sie sind außer­dem zu einem nahe­zu ste­ri­len Mann gewor­den. Mrs. Cal­las wird Sie emp­fan­gen. Genie­ßen Sie die Zeit mit einem wun­der­ba­ren Wesen, es ist sel­ten, dass Mrs. Cal­las Besu­cher emp­fängt! ~

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11.15 a.m. Mrs. Ander­son, kurz vom Bild­schirm ver­schwun­den, kehr­te noch ein­mal zurück. Ob ich Opern­schau­spie­le lie­ben wür­de, woll­te sie wis­sen. ich erin­ne­re mich, wie ich mit hei­se­rer Stim­me ant­wor­te­te, dass ich nicht eigent­lich wis­sen wür­de, wer Mrs. Cal­las sei, nur soviel, dass sie ein­mal bedeu­tend gewe­sen sein muss, berühmt, sehr wert­voll für die Kul­tur der Mensch­heit. Da waren noch ein paar wei­te­re, schnel­le Fra­gen, und ich dach­te, wäh­rend ich Mrs. Ander­son lausch­te, dass sie rei­zend sei, hübsch und streng. Und da war das Häm­mern gegen den Boden des Schif­fes, das mich lei­se zu beun­ru­hi­gen begann. ~

 

Skiz­ze der Seatown. Druck­kam­mer­ab­tei­le,
die von Per­so­nen der Cal­las­se­rie bewohnt
wur­den, in dun­kel­grau­er Mar­kie­rung
.

 

11.52 a.m. Anstatt von der Ursa­che der häm­mern­den Geräu­sche zu erzäh­len, refe­rier­te Mrs. Ander­son über Was­ser­tie­fen und Druck­ver­hält­nis­se, über das Blut mensch­li­cher Wesen, über die Che­mie der Gase. Ich sei, dozier­te sie, seit Stun­den in einer Luft­druck­kam­mer, ich wür­de mich einer­seits noch immer an Bord der Seatown befin­den, ander­seits sei ich nur weni­ge Meter von ihr ent­fernt, in einem Tank, in einem Gehäu­se, das unter hohem Druck ste­he. Stel­len Sie sich vor, es ist als wür­den Sie tau­chen, Ellis, in 500 Metern Tie­fe tau­chen. Ach­ten Sie auf die Zeit, keh­ren Sie so schnell wie mög­lich zu mir zurück, damit Sie kei­nen Scha­den neh­men. Das ist eine Anwei­sung! ~ 

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ATLANTIK 3.05 p.m. Wie­der sind wir auf­ge­bro­chen, fah­ren nord­wärts. Ich habe zwei Stun­den geschla­fen, dann see­krank, dann wie­der sanft, auch das Meer sanft, wie Mrs. Ander­sons Haut sanft in mei­nen Gedan­ken, als sie noch leb­te. Ein­mal hiel­ten die Wale an, weiß der Him­mel war­um, ras­te­ten für eine Stun­de. Dann ging es wei­ter. ~

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3.15 p.m. Ruhi­ge See, leich­ter Wind aus Süd­ost, etwas Bewöl­kung. 25 Kno­ten Fahrt, kein Schiff, kein Flug­zeug. Mrs. Ander­son intakt, kei­ner­lei Raub­fi­sche. Ich habe allen Mut auf­ge­bracht. Ich habe sie auf den Rücken gedreht. Da war flüch­tig der Gedan­ke, sie zu mir in die Insel zu holen. Aber die Luft ist zu warm, ist wär­mer als das küh­ler wer­den­de Was­ser des Mee­res. Habe ihren Kopf mit einer Ret­tungs­wes­te ver­zurrt, habe Wes­ten an Füßen und Hän­den ange­bracht, auch um den Bauch her­um, der eine blau­graue Far­be anzu­neh­men beginnt. Es ist eine ver­damm­te Geschich­te. Unlängst noch habe ich mit ihr gespro­chen, weni­ge Stun­den sind seit unse­res Gesprächs erst ver­gan­gen. Ich habe den Ein­druck, sie höre mir zu. Ellis, sage ich: Das ist eine Täu­schung! Das ist eine Täu­schung! ~

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3.25 pm. Nie zuvor habe ich an das Ende mei­nes Lebens gedacht. Nie zuvor habe ich einen Men­schen gese­hen, der nicht mehr. leb­te. Nie zuvor war ich gefan­gen gewe­sen. Ja, eine ver­damm­te Geschich­te. — joe ellis hier — joe ellis — rufe lon­don — rufe lon­don — das ist ein not­ruf — lon­don bit­te kom­men — rufe lon­don — rufe inter­na­tio­nal meta­mor­pho­sis obser­ver — may — day — may — day — seatown gesun­ken — befin­de mich auf ret­tungs­in­sel h/758 — auf­trag aus­ge­führt — habe gin­ger cal­las gespro­chen. — notie­re mei­nen bericht vom besuch der ms seat­won. — mrs. ander­son, June, ist tot. ~ 

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3.45 p.m. Mrs. Ander­son bewegt sich. Ich stel­le fest, Mrs. Ander­son bewegt sich im Rhyth­mus der Wel­len. Ich wer­de ihre Haut ver­tei­di­gen, so gut ich kann. Ich schwö­re, ich wer­de sie nach Hau­se brin­gen. Als sie noch spre­chen konn­te an Bord der Seatown, reg­te sie an, ich sol­le durch das Fens­ter der Druck­kam­mer­tü­re spä­hen, Mrs. Cal­las wür­de mich bereits erwar­ten. Und so späh­te ich unver­züg­lich durch das run­de Fens­ter. Ich begeg­ne­te Mrs. Cal­las rech­tem Auge. Und da war ein Rad­griff in der Mit­te der Tür, der sich dreh­te. Ich hör­te das Geräusch ent­wei­chen­der Luft, als wür­de eine Fla­sche geöff­net. Ein schwe­rer Wind ström­te mir ent­ge­gen, ein nach Blü­ten duf­ten­der Wind, warm und feucht. Dann eine Stim­me, Mrs. Cal­las spre­chen­de Stim­me, wun­der­voll, Wort für Wort, Satz für Satz. ~ 

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4.00 p.m. Kom­men sie doch mal her, Ellis, hel­fen sie mir! Also drück­te ich gegen das eiser­ne Schott, das schwer war, das sich nur wider­wil­lig bewe­gen ließ, als sei es eine lan­ge Zeit nicht geöff­net wor­den. Da war ein Raum, ein uner­war­tet gro­ßer Raum, und war­mes Licht, warm wie die Luft. Da waren der Schat­ten eines rotie­ren­den Ven­ti­la­tors und wie­der das dunk­le, leuch­ten­de Holz der Wän­de, von des­sen Glü­hen ich bereits erzähl­te. Und da war nun Mrs. Cal­las in mei­ner nächs­ten Nähe. Sie stand in der Mit­te des Rau­mes, noch etwas vor­sich­tig, wie mir schien, und betas­te­te mich von oben bis unten mit ihren dunk­len Augen. ~

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4.10 p.m. Plötz­lich streck­te sie bei­de Arme nach mir aus und rief: Wel­co­me, Mr. Ellis, Wel­co­me in Cal­las’ Box! Lang­sam kam sie auf mich zu. Sie war von gro­ßer Sta­tur und schlank und trug ein schwar­zes Som­mer­kleid, das bis zu ihren Knö­cheln reich­te. Mrs. Cal­las duf­te­te nach Teig, nach Made­lei­nes, nach Blü­ten, und sie schob die­sen Duft vor sich her, wie eine Wel­le. Mr. Ellis, wie füh­len Sie sich?, woll­te sie wis­sen, wie geht es Ihren Ohren? Ich bemerk­te, dass es noch etwas knis­te­re in mei­nem Kopf. Das geht bald vor­über, ant­wor­te­te sie, und dann doch mit erns­ter Stim­me, Uhren­ver­gleich, Mr. Ellis, Uhren­ver­gleich! Ich will Sie hier raus haben, lang ehe ihre Zeit abge­lau­fen sein wird. Haben Sie ver­stan­den, Ellis? ~

 

/   Joe Ellis atlan­ti­sche
Depe­schen Teil 2
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