ein brief nach uummannaq

° januar / februar 2020

Auf der Anschrif­ten­sei­te eines Brie­fes war ein Text notiert, den ich zunächst nicht ent­zif­fern konn­te. Ich hat­te das Kuvert bei einem Händ­ler ent­deckt, des­sen Brief­ku­vertsamm­lung auf einem Tisch unter einem Schirm sorg­fäl­tig aus­ge­brei­tet wor­den war. Es waren sehr vie­le Brie­fe, der Händ­ler muss­te früh auf­ge­stan­den sein, um recht­zei­tig vor Ein­tref­fen der ers­ten Besu­cher sei­nes Floh­markt­stan­des mit der Dar­le­gung sei­ner Samm­lung fer­tig gewor­den zu sein. Es reg­ne­te. Ich stand unterm Schirm und betrach­te­te einen Brief­um­schlag nach dem ande­ren Brief­um­schlag. Auf jenem Brief, von dem ich hier kurz erzäh­le, kleb­ten zwei rus­si­sche Brief­mar­ken, sie waren noch gut zu erken­nen, zwei Wal­fi­sche schweb­ten dort vor dun­kel­blau­em Hin­ter­grund. Außer­dem waren in einer Spra­che, die ich nicht kann­te, zahl­rei­che Zei­chen, ein klei­ner Text, unter­halb eines Namens ange­bracht. Der Name lau­te­te: Alma Pipa­l­uk. Ich frag­te den Händ­ler, ob er wis­se, was die­ser kur­ze Text­ab­schnitt bedeu­ten wür­de. Neu­gie­rig gewor­den kauf­te ich den Brief, spa­zier­te nach Hau­se und setz­te mich an mei­ne Schreib­ma­schi­ne, tipp­te die Zei­chen sorg­sam in die Ein­ga­be­mas­ke eines Über­set­zungs­pro­gramms. Die Spra­che, die ich notier­te, war die däni­sche Spra­che, bei dem Text, den ich vor­ge­fun­den hat­te, han­del­te es sich um eine Anwei­sung an einen Brief­zu­stel­ler, der von der Post­stel­le einer klei­nen Sied­lung namens Uum­man­n­aq aus, den Brief an sei­ne Emp­fän­ge­rin lie­fern soll­te. Der Text lau­te­te in etwa so: Bit­te nach Anor­lern­er­tooq nörd­li­che Bie­gung am roten Haus vor­bei rechts über den Steg zum gel­ben Haus an Alma Pipa­l­uk nicht vor Sep­tem­ber. Der Brief trug zwei pos­ta­li­sche Stem­pel­zei­chen, akku­rat auf­ge­tra­gen. Er war geöff­net wor­den irgend­wann von irgend­wem. — stop

 

/ Eine Licht­fang-
maschi­ne im Nor­den
vor lan­ger Zeit
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